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Thema: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht (2569-mal gelesen)
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3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Die Zeit für Wehmut ist gekommen – nach rund 1095 Tagen muss ich nun den VW-Hybriden am Ende des Leasingvertrages zurückgeben. Am Ende standen 101.260 km auf dem Tacho. Am Anfang waren es nur 12 km.
Als kurzes Fazit kann ich nur sagen: ich habe keinen Tag und keinen Kilometer meine Entscheidung für das Fahrzeug bereut. Und entgegen der Kassandrarufe musste das DSG-Getriebe NICHT nach 35.000 km gewechselt werden. Auch nicht später. Auch zum Zeitpunkt der Rückgabe waren keine Probleme am Getriebe bekannt.
Auch sonst machte der zugkräftige Hybride keine Probleme. Außer einem Auffahrunfall durch einen zu geringen Sicherheitsabstand eines Hintermannes und einem teuren Parkrempler eines Rowdies mit Fahrerflucht gab es keine außerplanmäßigen Werkstatttermine.
Es gab nur folgende kleine Punkte:
- Zweimal musste die Tankklappe nachgeölt werden, da sie sich nicht wie vorgesehen öffnen ließ
- Zweimal waren Ventile am Reifen undicht.
In alle Fällen konnte durch die Werkstatt im Rahmen der Turnustermine eine Abhilfe vorgenommen werden.

Schön fand ich neben den sportlichen Fahreigenschaften auch die ruhige Fahrweise mit den guten Segeleigenschaften auch im Stop&Go Verkehr.
Mit den richtigen Rahmenbedingungen war es durchaus möglich, an zwei nacheinanderfolgenden Tagen einmal „normal“ die Strecke zu fahren und einmal mit über einer Stunde längerer Fahrzeit wegen Stau – und der Kraftstoffverbrauch war identisch. Das war schon beeindruckend.
In Spritmonitor wurden für eine Strecke von 98.520 km 5.622 Liter getankt. Das entspricht einem Verbrauch von 5,71 Litern pro 100 km.
Der Jetta war – im Vergleich zu anderen Hybridfahrzeugen – ein richtiges Platzwunder, obwohl er eine Wagenklasse kleiner als die normalen Limousinen geführt werden. Er ist ja in der Golf-Klasse geführt. Allerdings ist der Radstand größer, was vor allem auf der Rückbank zu deutlich mehr Platz führt.
Die im Kofferraum vorhandene Stufe, die durch die rauskuckende Batterie entsteht, war letztlich nie ein großes Problem. Sie war oft sogar vorteilhaft, weil dann die Gegenstände nicht in den hinteren Tiefen des Kofferraum unerreichbar verschwunden sind. Auch mehrere Wasserkisten waren im Kofferraum kein Problem. Wir sind auch öfters (2-Personen) dick bepackt in Urlaub gefahren und haben alles hinten reinbekommen. Okay, wer früher Tetris gespielt hat, war leicht im Vorteil… aber intelligentes Packen sollte ohnehin jeder Autofahrer beherzigen. Wirklich sperrige Gegenstände konnte man auf den Rücksitzen am besten transportieren. Das ist beim Jetta Hybrid quasi genauso wie bei den anderen Limousinen mit Stufenheck – egal ob da nun eine Batterie ist oder nicht.

Noch ein Punkt zur Batterie: ganz am Anfang schaffte man mit der vollen Batterie ca. 4,3 Kilometer.
Nun, rund 100.000 km später habe ich erneut gemessen, was die Batterie voll geladen noch leisten kann. Mehrfach gemessen, das Ergebnis immer gleich. Nun sind nur noch 3,7 bis 3,8 km Reichweite drin. Mir war bei Zwischenmessungen aufgefallen, dass die Batterie vor allem im dritten Jahr etwas stärker nachgelassen hat. Nun kann die Batterie ca. 13% weniger leisten als eine Neubatterie. Ich halte den Rückgang aber noch für plausibel, und an den Verbräuchen konnte ich keinen Unterschied messen. Soviel zur Frage, was man von dem Fahrzeug als Gebrauchten hält. Nun, ich würde keinen mehr kaufen, der 6 Jahre oder älter ist.
Zumindest nicht, ohne die Restkapazität der Batterie zu prüfen. Aber bei meinem 3 jährigen sehe ich keine Bedenken. Könnte ich jedem wie er jetzt ist ohne Bedenken weiterempfehlen/weiterverkaufen.

2 Tage bevor ich mir einen weiteren Jetta-Hybrid als Nachfolgefahrzeug bestellen wollte, nahm VW den Jetta Hybrid aus dem Programm. Eine Bestellung war nicht mehr möglich. Da mich die anderen VW Modelle nicht überzeugen konnten (höherer Verbrauch, fehlende Regelungen in der betriebsinternen KFZ-Anweisung für PluginHybride) habe ich mich dann letztlich anders auf dem Markt umschauen müssen. Der neue Prius hatte mir da leider gar nicht zugesagt. Letztendlich wurde es nun ein Fahrzeug eines anderen Anbieters – ohne alternativen Antrieb, dafür aber ein Spaßauto vor dem Herrn.  :icon_dito:
So sehr ichs auf der einen Seite auch bedaure – auf der anderen Seite muss man sich entscheiden.

Zur näheren Auswahl bei den Hybriden wären es bei mir noch der Audi A4 etron oder der Golf GTE gewesen. Beide nicht wirklich sparsame Hybride und ein bisschen zu wenig Auto fürs Geld. Ich hätte mir durchaus den Hyundai Ioniq angeschaut, der macht für mich einen soliden Eindruck. Zum Zeitpunkt meiner Entscheidung war der aber noch nicht auf dem Markt.

@Jorin: Du kannst übrigens die Kategorie abändern. Muss heißen: Jetta Hybrid 2013-2016.
Der Jetta allgemein wurde 2016 endgültig in Deutschland delisted.


Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 1
Danke für den schönen Bericht!

Das entspricht einem Verbrauch von 5,71 Litern pro 100 km.
Da hätte ich wesentlich mehr vermutet. Mein kleiner Yaris Hybrid ist im Februar auch 3 Jahre alt. Bisher habe ich 4,99 l pro 100 km. verbraucht.

Bei der von Dir angegebenen elektrischen Reichweite bin ich erstaunt. Finde ich enorm viel. Mein Yaris Hybrid hat nur eine sehr geringe elektrische Reichweite.

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 2
Vielen Dank für das Feedback hier im Forum - was ist es denn nun für ein Wagen geworden? *neugierig frag* :icon_daumendreh2:

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 3
Als kurzes Fazit kann ich nur sagen: ich habe keinen Tag und keinen Kilometer meine Entscheidung für das Fahrzeug bereut.

So muss das sein. Dann hast du alles richtig gemacht.  :applaus:

Zur näheren Auswahl bei den Hybriden wären es bei mir noch der Audi A4 etron oder der Golf GTE gewesen. Beide nicht wirklich sparsame Hybride und ein bisschen zu wenig Auto fürs Geld. Ich hätte mir durchaus den Hyundai Ioniq angeschaut, der macht für mich einen soliden Eindruck. Zum Zeitpunkt meiner Entscheidung war der aber noch nicht auf dem Markt.

Ja, leider setzen sich die Hybride und auch die deutschen Plug-ins bisher nicht wirklich durch. Wir werden wohl noch viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, durchhalten müssen, bis es alternative Fahrzeuge (und damit meine ich auch EV) in allen erdenklichen Größen und Leistungsklassen geben wird, die man sich auch wird leisten können. Das ist sehr traurig, denn wie bestimmt sehr viele hier genieße ich die Stille im Auto, wenn es elektrisch fährt oder an der Ampel steht, sehr. Fände ich das Gesamtpaket des Prius 4 nicht gelungen, würde es mir wohl wie dir gehen: Es gäbe kaum etwas, was in Frage käme.

Zu schade, dass du nun wieder zurück zum konventionell angetriebenen Fahrzeug musstest. Auch mich würde interessieren, was es letztendlich wurde und ob du in ein paar Jahren bei einem besseren Fahrzeugangebot, welches auch in die Firmenflotte passt, wieder wechseln würdest, hin zu einem alternativ angetriebenen Fahrzeug. Ich hoffe, du bleibst uns dennoch erhalten und berichtest hier ab und zu über deinen Neuen oder hilfst solchen Mitgliedern, die Fragen zum Jetta Hybrid haben.

@Jorin: Du kannst übrigens die Kategorie abändern. Muss heißen: Jetta Hybrid 2013-2016.
Der Jetta allgemein wurde 2016 endgültig in Deutschland delisted.

Erledigt, danke!

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 4
Danke für den Bericht. Ich freue mich, dass der Wagen so problemlos lief. Zumal ich einer der Wenigen war, die von Anfang an die Möglichkeit in Betracht gezogen haben, dass der Jetta Hybrid uns alle noch überraschen könnte.

Das hat er geschafft. Und den Verbrauch finde ich wirklich angemessen für das gebotene Gesamtpaket. :)

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 5
Danke für den Bericht!
Wenn es den als Kombi gegeben hätte, wäre er bei mir auch in der engeren Auswahl gewesen.

Letztendlich wurde es nun ein Fahrzeug eines anderen Anbieters – ohne alternativen Antrieb, dafür aber ein Spaßauto vor dem Herrn.  :icon_dito:

Darf ich Lösen :icon_wp-question:

Alfa Romeo - Giulia  Diesel :icon_wp-exclaim:

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 6
Anscheinend schöne drei Jahre mit NULL Mängeln trotz DSG und downsizing Turbo Benziner. Das der Jetta einen längeren Radstand hat, wusste ich nicht. Wie der Octavia?

Ich hoffe, du bleibst uns auch mit dem Auto 1.0 erhalten. Denn ein Fahrzeug 1.0 bewegt mit dem erfahrenen Gasfuss eines Hybrid-Piloten ist ja auch ein alternativer Antrieb - irgendwie

Behauptet

Wanderdüne

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 7
Der Octavia hat nochmals deutlich mehr Radstand. Der Jetta liegt knapp auf halbem Wege vom Golf zum Octavia.

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 8
Ein schöner Bericht, solltest du an die Presse weiter reichen. Bin positiv überrascht. Wenn VW das Auto einstellt, liegt es immer noch am Markt. Die Menschen die VW kaufen, wollen so etwas nicht.

Wünsche dir viel Glück mit deinem neuen Auto und wenig Reparaturen.
Habe jemand in der Familie, mit Alpha Romeo, als Benziner und über Freisprecheinrichtung höre ich öfters "wo der Spaß ist" ;-) Meine Worte dazu sind dann immer "lass mir ein paar Tropfen Benzin übrig, damit komme ich noch 100 km" :-D

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 9
Wenn VW das Auto einstellt, liegt es immer noch am Markt. Die Menschen die VW kaufen, wollen so etwas nicht.

Die Menschen wollen hauptsächlich Hatchbacks (fünftürige Kompake) oder SUVs... Da VW den damals einzigen bezahlbaren Hybriden nur als relativ kleines Stufenheck anbot, ist nicht der Markt für den Misserfolg verantwortlich.

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 10
Du meinst, dass lag nur am Stufenheck? :-/

Interessant diese Denkweise, da bin ich noch gar nicht drauf gekommen. Aber, wenn man sich anguckt, was mit VW drauf an einem vorbei fährt, vorzugsweise links auf der Straße und dann vor mir, hast du Recht.

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 11
Dazu kann ich mich nur wiederholen, wie ich es bereits im Batterie-Thread dieser Tage schrieb:
Das größte Hindernis in der Vermarktung von Hybridfahrzeugen liegt beim Hersteller selbst.
Sie (VW) tun, als wenn sie umweltfreundlichere Fahrzeuge fördern wollen, aber eigentlich tun sie genau das Gegenteil, sie behindern, ja verhindern den Markterfolg!
Genau wie bei meinem AUDI A2 vor 12 Jahren: das war auch ein ökologisch sinnvoll entwickeltes Fahrzeug, aber in der Werkstatt wurde man angeschaut, als wenn man eine obszöne Frage gestellt hätte, wenn man Auskunft wollte, Wartunganliegen oä hatte.  Der Umgang mit Kunde und Fahrzeug war unterirdisch, irgendwann fragte man sich dann, warum man genau dieser Firma eigentlich sein Vertrauen geschenkt hatte.
Da fiel der Wechsel zu Toyota sowas von leicht ,.,, Tschüss AUDI, "öko" geht anders ... und siehe da, es gibt überzeugende und langlebige Konzepte.
Insofern setzen die Hybridkunden auf ein innovatives Konzept, das mE überzeugt, aber auf den falschen Hersteller, der vom eigenen Produkt gar nicht überzeugt ist ;-)
Das ist der eigentliche Skandal! (Ich war früher jahrelang sehr überzeugter VW-Kunde!)

Trotzdem danke für den sehr interessanten Bericht - vielleicht macht er ja den einen oder die andere Skeptiker/-in doch mal nachdenklich?! ;-)

Gruß!
JoAHa

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 12
Deutschland ist Kombi-Land. Gerade Eigenheimbesitzer sind oft auch Familien mit Kindern, also potenzielle Kombi-Käufer. Und die bekommen nichts der Richtung.

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 13
Der Jetta Hybrid war von VW sicherlich primär für den amerikanischen Markt gedacht, wo kompakte Stufenhecklimousinen viel populärer als kompakte Hatchbacks und Kombis sind. Dort wollte man dem trotz seiner von Amerikanern ungeliebten Karrosserieform erfolgreichen Prius ein Mainstreammodell entgegen setzen. Das ist eine durchaus verständliche Produktentscheidung. Dass damit die Wahl auf eine auf den europäischen Märkten als Nischenprodukt anzusehende Karrosserieform fiel und mithin ein in Europa absehbar erfolgsarmes Produkt entstand, war in Hinblick auf die seinerzeit -und heute bis auf UK und NL immer noch- ausgesprochen geringe europäische Marktakzeptanz von Vollhybriden wohl nebensächlich.

Antw.: 3 Jahre und 100.000 km VW Jetta Hybrid – Mein Erfahrungsbericht

Antwort Nr. 14
Der Octavia hat nochmals deutlich mehr Radstand. Der Jetta liegt knapp auf halbem Wege vom Golf zum Octavia.

Stimmt. War mir beim schreiben natürlich auch klar. Aber den gabs nicht als Hybrid. Kann mich noch gut an das Grinsen des Skoda-Verkäufers erinnern... ;)